Worte des Dankes

Foto: Leonhardsgemeinde

Lesen Sie die hier die Rede von Bernhard Opitz im Namen des Chores der Leonhardskirche, der 13 Jahre von Roland Eckert geleitet wurde.

Lieber Herr Eckert,

an so einem Tag wie heute, an dem wir Sie in den wohlverdienten Ruhestand gehen lassen, fragt man sich: wo ist eigentlich die Zeit geblieben? Es ist doch noch nicht so lange her, dass Sie Günther Maysenhölder auf der Orgelbank und am Dirigentenpult abgelöst haben. Da kommt einem ein Wort aus Psalm 90,4 in den Sinn, wo es heißt: „1000 Jahre sind vor Dir wie der Tag, der gestern vergangen ist.“

Es war für den Chor der Leonhardskirche eine reiche Zeit. In den Chorproben wurde nicht nur intensiv geprobt, sondern wir bekamen durch Sie immer auch ein Stück Musikgeschichte vermittelt. So erfuhren wir mehr über die verschiedenen Musikstile oder wie mancher Kirchenmusiker in früherer Zeit dann an seine Wirkungsstätten gekommen ist. Berühmtestes Beispiel war J.S. Bach, der bei der Wahl zum Thomaskantor in Leipzig für den Rat der Stadt nur dritte Wahl gewesen ist. Er kam nur zum Zug, weil die favorisierten Kandidaten die Stelle nicht antraten, da sie von ihrem jeweiligen Landesfürst ein höheres Salär bekamen und deshalb an ihrer bisherigen Wirkungsstätte geblieben sind.

Wichtig war es für Sie auch immer, neben dem Singen auch das Miteinander zu pflegen. Für jedes Geburtstagskind gab es ein Ständchen und nach der Probe dann noch ein gemütliches Beisammensein. Auch nach den Konzerten traf man sich im Gemeindehaus zum gemütlichen Ausklang bei selbst gemachten Salaten und dem einen oder anderen Glas Wein.

Für Sie war das Singen im Gottesdienst eine Herzensangelegenheit. Sie ließen sich auch nicht entmutigen, mit unserer kleinen Schar eine Weihnachts- bzw. Passionsmusik bzw. einen Kantaten-Gottesdienst zur Goldenen Konfirmation auf die Beine zu stellen. Sie machten uns immer wieder zum richtigen Zeitpunkt stimmlich fit, so dass wir hinterher immer erstaunt waren, wie gut der Gesang heute wieder geklungen hat und dass die Einsätze alle gepasst haben. Dazu haben Sie uns auch das nötige Gottvertrauen vermittelt. So wie es der Stuttgarter Komponist Bernhard Krol, er wäre am 24.Juni 2020 100 Jahre alt geworden, einmal vor der Aufführung seiner „Wort-Gottes-Kantate“ hier in St. Leonhard zu Zeiten von Günther Maysenhölder zu den Mitwirkenden sagte: „Wenn man in einer Kirche singt, dann hat man auch das nötige Gottvertrauen, denn dessen Geist weht bekanntlich wann und wo er will“.

Und das soll jetzt alles schon zu Ende sein? „Leider ja!“

Lieber Herr Eckert, wir, der von vielen guten Sängerinnen und Sängern verstärkte Chor der Leonhardskirche Stuttgart wünscht Ihnen für den nun neuen Lebensabschnitt des Unruhestandes Gottes Geleit und Segen und dass sein Geist auch für Sie noch ganz lange wehen möge. 

Lassen Sie ab und zu auch was von Ihnen hören beziehungsweise lassen Sie sich gelegentlich auch an Ihrer alten Wirkungsstätte wieder blicken!


Nachdem Sie mir im letzten September sagten, dass Sie noch nie in Leipzig gewesen wären, kam mir Ihre Aussage nach langem Hirnen vor ein paar Tagen wieder in den Sinn. Sichtlich erleichtert haben wir uns deshalb sofort entschlossen: „dem Manne kann geholfen werden.“ Als Dankeschön aller Chorsänger fahren Sie, natürlich nicht alleine, an die Wirkungsstätte des großen Thomaskantors, um seine Nachfahren zu hören. Auch die Nikolaikirche, in der die friedliche Revolution der jüngeren deutschen Geschichte mit den Montagsgebeten ihren Anfang nahm, ist gleich um die Ecke. Es gibt ganz viel, auch zu Fuß, zu entdecken. 

Keine Eile, dafür haben Sie drei Jahre Zeit. Aber aufgepasst: „in den Ferien singen die Thomaner NICHT!!“  

Genießen Sie diese schöne Stadt!

 

Im Namen aller Chormitglieder

Bernhard Opitz, gewählter Vorsitzender des KGR der Leonhardsgemeinde

Chor in seiner Besetzung von 2016 | Foto: Leonhardsgemeinde

Würdigung der Arbeit von Roland Eckert als Kantor durch Pfarrer Christoph Doll

 

An erster Stelle in den Abkündigungen steht heute Ihr Name, lieber Herr Eckert!

Denn wir, die Leonhardsgemeinde haben allen Grund, Ihnen vielmals und herzlich zu danken. Für Ihr eindrucksvolles Orgelspiel und Ihr solistisches Singen heute, aber auch für all Ihre vielen, vielen kostbaren Beiträge zu unserem Gemeindeleben in den vergangenen 13 Jahren! Im Einzelnen kann ich das an dieser Stelle unmöglich alles benennen. Einiges soll gleichwohl noch einmal ans Licht gehoben werden. Sie einfach so ziehen lassen, das geht gar nicht! Doch zuvor möchte ich auch den drei anderen Musici heute morgen „Danke!“ sagen: Frau Weber und Herrn Neundorf für Ihr Violinspiel und Frau Knötzele für die Übernahme des Continuo-Orgelparts. Wie schön, dass Sie zu viert trotz aller Corona-Auflagen die heutige Kantatenaufführung so lebendig und anrührend realisieren können! Es bleibt indes der Schmerz, dass der Chor der Leonhardskirche heute nicht noch einmal unter Ihrer Leitung, lieber Herr Eckert, singen durfte. Umso mehr freue ich mich, dass viele Chorsängerinnen und -sänger heute unter uns sind und auch manche der Solistinnen und Solisten, mit denen Sie in den letzten Jahren immer wieder musiziert haben. Ein starkes Zeichen, wie ich finde!

Ihr Dienst in der Leonhardsgemeinde, lieber Herr Eckert, hatte ungewöhnlich viele Facetten. So entstand über die Jahre ein faszinierendes Mosaik, das in kräftigen Farben geleuchtet und gestrahlt hat;  oder in musikalischer Metaphorik ausgedrückt : es entstand eine ungemein vielschichtige Partitur mit einer breiten Klangfarbenpalette. Das Klangspektrum der Orgel unter Ihren Händen und Füßen ist da zu nennen, das Sie Sonntag für Sonntag immer wieder anders ausgereizt haben und so mit uns als Gemeinde auf spannende Reisen durchs Orgelrepertoire der Jahrhunderte sich begaben. Auch mit dem Chor der Leonhardskirche waren Sie sehr experimentierfreudig und haben es durch beharrliche und zielführende Probenarbeit möglich gemacht, dass auch anspruchsvolle Oratorien, Kantaten, Motetten etc. überzeugend aufgeführt werden konnten, im Konzert und vor allem auch in unseren Gottesdiensten. Die lagen Ihnen als Gesamtgefüge sehr am Herzen, egal ob es sich um einen Schulgottesdienst für die Jakobschule handelte, eine Vesperkirchenandacht, einen sonntäglichen Abendmahlsgottesdienst in Gestalt der Evangelischen Messe oder einen Heilsamen Gottesdienst am Sonntagabend. Immer haben Sie Ihre musikalischen Beiträge sorgfältig aufs jeweilige Setting abgestimmt und für viel Abwechslung gesorgt. Insbesondere den großen Festen des Kirchenjahrs haben Sie kirchenmusikalisch Glanzlichter aufgesetzt und so Festfreude für viele aufstrahlen lassen. Sie beschränkten sich dabei nicht aufs Chordirigat oder Orgelspiel, häufig haben Sie auch selber wie heute solo gesungen oder sich mit anderen Vokal- oder Instrumentalsolisten zusammengetan, um reizvolle Werke aufzuführen. Nicht vergessen möchte ich Ihr Blöckflötenensemble, in dem Sie für gewöhnlich die Bassflöte spielten und vorneweg sich zumeist als Arrangeur bzw. Komponist betätigten, um für die je aktuelle Besetzung passende Stücke parat zu haben. 

Dass Sie oft auch bei Gemeindefesten, bei Adventsfeiern oder im Seniorenkreis musikalisch Gewichtiges beitrugen, möchte ich hier auch ausdrücklich erwähnen. Unvergessen beispielsweise die Liederzyklen, die Sie im Gemeindehaus zusammen mit Ihrer langjährigen Klavierpartnerin zu Gehör brachten.

Als Kirchenmusiker unserer Gemeinde lagen Ihnen nicht zuletzt auch die Instrumente, die Ihnen anvertraut waren, sehr am Herzen. Sie sorgten fürs regelmäßige Stimmen und Warten der Orgel und der Klaviere. Sie initiierten die Umgestaltung unseres Chorpositivs und jüngst den Einbau eines Trakturspanners in die Ott-Orgel.  

Für all dies und alles hier nicht Erwähnte sagen wir vielmals „Danke!“, lieber Herr Eckert! Es waren reiche Jahre mit Ihnen!

 

Pfarrer Christoph Doll