Jüdisches Leben in Deutschland

Quelle: Wikimedia Commons, Pfingstrose

Der Im • Puls für die beiden Monate Mai und Juni thematisiert das deutsch-jüdische Festjahr #2021JLID

Liebe Leserinnen und Leser,

bereits Anfang Februar brachte die Deutsche Post eine 80er-Sondermarke heraus, die zweisprachig gestaltet ist. In gelber Druckfarbe ist das hebräische Wort Chai („Leben") zu lesen und flankierend dazu in blauen Lettern die Inschrift: Chai – Auf das Leben! Quasi zur Erläuterung findet sich am unteren Markenrand eine rote Doppelzeile mit dem Text: 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland. Mit dieser Briefmarke leistet die Post einen Beitrag zum deutsch-jüdischen Festjahr #2021JLID, das unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht. Zahlreiche Veranstaltungen in ganz Deutschland während dieses Festjahres wollen jüdisches Leben sichtbar und erlebbar machen. Um all diese Projekte zu koordinieren, wurde eigens ein Verein gegründet, dem daran liegt, die Bedeutung jüdischen Lebens für Deutschland in seiner heutigen Vielfalt in den Fokus zu rücken.
Das Festjahr nimmt Bezug auf ein Dekret, das Kaiser Konstantin I im Jahr 321 erließ. Mit diesem Dokument, das heute im Vatikan aufbewahrt wird, erteilte der Kaiser dem Kölner Stadtrat die Erlaubnis, Juden in öffentliche Ämter zu berufen. Auch davor hatten freie Juden bereits das römische Bürgerrecht und ihr Glaube war vom Staat anerkannt. D.h. sie waren davon befreit, die römischen Staatsgötter zu verehren und sich am Kaiserkult zu beteiligen. Verwehrt war ihnen aber deshalb bis zum Dekret von 321 der Zugang zu öffentlichen Ämtern. Konstantins Verfügung gilt als älteste erhaltene schriftliche Quelle, die belegt, dass es schon in der Spätantike nördlich der Alpen jüdische Gemeinden gab. Bedeutsam waren v.a. die jüdischen Gemeinden im Rheinland: in Köln, Trier, Mainz, Worms und Speyer. Das Dekret von 321 war indes kein Signal kaiserlichen Großmuts, sondern dem Umstand geschuldet, dass sich die römische Oberschicht damals offenbar immer häufiger den  zeitraubenden und kostspieligen Ehrenämtern verweigerte. So sah sich der Kaiser gezwungen neue Personalressourcen zu erschließen.
Die Initiatoren des Jubiläumsjahr 2021 wollen mit ihren Impulsen neugierig machen auf die Geschichte jüdischen Lebens in unserem Land und zugleich das Verständnis fördern für jüdisches Leben in Deutschland heute. Brücken sollen gebaut und Begegnungen ermöglicht werden, die dem leider wachsenden Antisemitismus in Deutschland entgegenwirken.
Im Rahmen dieses 1700-Jahre-Jubiläums gestaltet Pfarrer Jochen Maurer, der in der württembergischen Landeskirche die Sonderpfarrstelle für das Gespräch zwischen Juden und Christen innehat, am 16. Mai den Gottesdienst in der Leonhardskirche. Er stellt diesen Gottesdienst unter das Motto „Spirit bewegt. Schawuot beziehungsweise Pfingsten". Es entstammt der ökumenischen Kampagne #beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst.

Zu diesem besonderen Gottesdienst und auch zu allen anderen in den kommenden Wochen herzliche Einladung!


Der belebende Geist von Pfingsten, der Mut macht, aufrichtet und wechselseitiges Verstehen ermöglicht, gebe Ihren Schritten auf Pfingsten zu Leichtigkeit und Schwung!

Ihr
Pfarrer Christoph Doll