28.04.18

Madrid, Madrid...

© HM Trichtinger

Der Im • Puls für die beiden Monate Mai und Juni kommt diesmal von unserem Kirchengemeinderat Hans-Martin Trichtinger aus einer Kirche in der Hauptstadt Spaniens.

Wann kommsch d’n wieder?...

... fragt Renate (40 Jahre Madrid, ehem. Stuttgart) bei der Verabschiedung an der Kirchentür. D’r Läsungstegschd fir heit isch aber an and’rer als dr deine – kommentiert Küster Christoph (Neu-Madrider – ehem. Backnang). Du nähersch di langsam onserer Lidurgie an – Heiner (Kirchengemeinderat, 30 Jahre, Madrid, ehem. Remstal). Alles Schwaben der Madrider Gemeinde. Alle sind sie irgendwann mal in Madrid hängengeblieben – der Liebe wegen, des Berufes wegen, der Faszination wegen – so wie auch ich.
Vor 25 Jahren hatte es mich als Auslandsschullehrer für eine Zeitlang an die deutsche Berufsschule nach Madrid verschlagen – Madrid, eine faszinierende Großstadt mit vielen Facetten, die mich auch dann noch „festhielt“, als ich schon lange wieder in Deutschland arbeitete.
Der Bezug zur deutschen Gemeinde damals war lose, aber da. Jahre später dann, mit meiner Prädikantenausbildung in Stuttgart, bot mir der damalige Madrider Pfarrer an, mich doch auch in seiner Gemeinde als Prädikant einzubringen. Das Angebot nahm ich gerne an. Und es freut mich bis heu- te jedes Mal, wenn ich meine „Exilschwaben“ dann bei mei- nen Gottesdiensten weiß.
Die Geschichte der Madrider Friedenskirche ist lang. 1864 fand der erste Gottesdienst für deutschsprachige Protes- tanten auf Veranlassung des Freiherrn von Werthern in Madrid statt. Danach traf sich eine ständig wechselnde Gemeinde in unregelmäßigen Abständen an unterschied- lichen Orten zu Gottesdiensten. Seit 1870 begann dann eine regelmäßige Seelsorge durch Pastor Fliedner, der diese,neben seiner Tätigkeit in der Evangelisation in Spanien, ausübte. Im Oktober 1903 konstituierte sich dann die Gemeinde endgültig.
Das Kirchengebäude mit Pfarr- und Gemeindehaus wurde 1909 eingeweiht. Zusammen mit Kirchen in Rom und Jerusalem gehört diese Kirche zu den drei Auslandskirchen, deren Bau von Kaiser Wilhelm II gefördert wurde.
Die Kirche ähnelt bewusst einer Burgkapelle in einer mittelalterlichen Pfalz. Architekturelemente im neoromanischen Stil gestalten Fassade und Innenraum. Die Ausgestaltung wird ergänzt durch Mosaike im byzantinischen Stil.
Die Apsis schmückt ein Deckenmosaik des Pantokrators – große Augen schauen auf die Gemeinde. Sie versprechen Halt und geben Ermunterung. Jeden Gottesdienst beginne ich mit einem Blick in diese Augen.
Wenn Sie einmal in Madrid sind, schauen Sie einfach vorbei.
Es grüßt Sie Ihr Kirchengemeinderat und Prädikant Hans-Martin Trichtinger